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über mfm

Wir sind eine offene Gruppe von Medizinstudierenden, die Wahrnehmung sozialer Ungerechtigkeiten und gesellschaftspolitisches Engagement als unverzichtbaren Teil ärztlicher Verantwortung begreift. Wir treffen uns in der Regel 2x monatlich und richten Veranstaltungen zu den Themenfeldern Global Health, Friedensarbeit, medizinische Entwicklungszusammenarbeit, Gesundheitspolitik, Migration und die Lage von Menschen ohne Papiere, Patentrecht und Pharmaindustrie, Palliativmedizin u.a. aus.

Wir organisieren selbst, worum uns die akademische Medizin – die sich zunehmend als technisch-spezialisierter Dienstleistungsbetrieb zur Behebung somatischer Defekte versteht – betrügt:

In westeuropäischen Krankenhäusern verlieren sich Ärzt_innen allzu schnell in einer Flut von bürokratischen Routinen, internen Alltagsreibereien, ökonomischen Zwängen und juristischen Spitzfindigkeiten, einem Strudel aus Karriereplanung und Statussicherung. Dabei gerät aus dem Blick, dass die bedeutendsten Probleme der Gesundheitsversorgung in der modernen Welt ganz woanders liegen.

Es wird oft nicht nur vergessen, dass ein Großteil der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Hochleistungsmedizin hat. Die größte Krankheitslast in globalem Maßstab entsteht vielmehr daraus, dass auch heute noch Millionen von Menschen jährlich an behandelbaren Krankheiten leiden und versterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Basisversorgung haben.
Es wird darüber hinaus ignoriert, dass auch in Deutschland ganzen Bevölkerungsgruppen – etwa Menschen ohne Papiere – selbst im Falle lebensbedrohlicher Erkrankungen medizinische Hilfe vorenthalten bleibt.
Eine humanistische Medizin muss sich also, will sie ihren professionsethischen Richtwert Universalität nicht korrumpieren, sowohl politischen Problemen der Ungerechtigkeit in Zugang und Verteilung von Versorgungsstrukturen als auch ethisch-moralischen Problemen der Verletzung grundlegender Menschenrechte annehmen.

Uns geht es um eine soziopolitische Kontextualisierung von Gesundheitsversorgung, die über die borniert begrenzten Anliegen einer akademischen Arbeits- und Sozialmedizin hinaus empört auf Machtasymmetrien und soziale Ungerechtigkeiten, Armut, politische Repression und Kriege, Rüstungsindustrie und Nukleartechnologie als in globalem Maßstab wichtigste Ursachen für Krankheit, Leiden und Tod hinweist.

Bei allem technischen Fortschritt, Effizienzsteigerung von Betriebsabläufen, Standardisierung von Qualitätssicherungsleitlinien etc. bleibt für eine Medizin, für die wir uns als angehende Ärzt_innen künftig engagieren möchten, Humanität in einem umfassenden Sinne unverzichtbar.

Dazu gehört schließlich auch das umfassende sich-Einlassen auf und Arbeiten mit der Beziehung zur Patient_in. Medizin ist viel mehr als nur richtige Anwendung von Technik. Eine humanistische Medizin ist dort, wo – wie in der Palliativmedizin – neben einer adäquaten und technisch qualifizierten medizinischen Versorgung menschliche Nähe, Empathie und Zulassen der Konfrontation mit existenziellen Lebenssituationen gefragt sind, umso mehr vonnöten.

Allzu leicht gerät leider während des Medizinstudiums in Vergessenheit, wofür wir uns eigentlich einmal einsetzen wollten, als wir uns für ein Medizinstudium entschieden haben.
Daher freuen wir uns über alle Student_innen, die sich mit uns für eine gesellschaftspolitisch reflektierte Medizin in einem umfassenden Sinne einsetzen wollen.